2.4 Auswirkungen der sozialen Phobie (1992-1996)

Im vorigen Kapitel habe ich beschrieben wie es dazu gekommen ist dass sich bei mir eine soziale Phobie entwickelt hat. Hier möchte ich erklären wie sich die soziale Phobie bemerkbar gemacht hat. Bei der sozialen Phobie handelt es sich um eine Angststörung. Die emotianalen Symptome die bei mir spürbar zu empfinden waren sind Herzrasen,Unruhe,Anspannung,Stress,feuchte Hände, Schweiß,Kloß am Hals.Das Verhalten des sozial-ängstlichen ist durch Vermeidungsverhalten bei Kontakt und bei Anbahnung von Kontakt mit Menschen charakteriesiert aufgrund der Angst vor Kritik und Ablehnung. Außerdem befürchtet der sozial-ängstliche dass er sich blamiert und meidet im Mittelpunkt zu stehen und ist introviert . Hinzu kommt dass er sich schämt wie er ist und fühlt das er anders ist als der Durchschnittsbürger.

Sein handeln ist vom Perfektionismus getrieben, er will immer alles richtig machen um keine Angriffsfläche für Kritik zu geben um es allen recht zu machen und ja nicht abgelehnt zu werden und sich so die Liebe der anderen zu verdienen. Er kann nicht Nein-Sagen da er Angst hat die Liebe der anderen zu verlieren.Er ist ein Pessimistist und tendiert dazu negativen Gedanken in Masse zu produzieren. Die soziale Angst wird oft von Depressionen begleitet. Charakteristisch ist das die Emotionen Wut und Traurigkeit neben der Angst ständiger Begleiter sind und sich ergänzen und abwechseln.

Nun zu einigen persönlichen Beispielen angstauslösender Situationen aus meiner Vergangenheit:

Beispiel 1: Schulunterricht und soziale Angst

Der Lehrer fragt wer die Lösungen der Hausaufgaben vorlesen möchte.Wenn keine freiwillige sich melden wird jemand zufällig ausgewählt und darf seine Antwort geben. Bei einem sozial-ängstlichen Schüler passiert folgendes:

Während der Lehrer die Frage stellt denkt er.“ hoffentlich nimmt er nicht mich, sein Herz beginnt an zu rasen und wird immer schneller, in seinem Bauch setzt ein Anspannung die immer größer wird und seine Hände werden feucht,er bekommt einen Kloß im Hals, er schwitzt vor Angst die falsche Antwort zu geben sich zu blamieren und minderwertig zu fühlen und von den anderen ausgelacht zu werden.Wenn er nicht drankommt, lassen die Symptome langsam nach.Wenn es dann mit dem eigentliche Unterricht weitergeht und der Lehrer wieder anfängt zu fragen, fängt das ganze Spiel von Anfang an. Im Prinzip ist man die ganze Schulstunde in angespannten Zustand und kann sich nicht auf den Unterricht konzentrieren, da das Gedankenkarusell ständig in Bewegung ist.Wird er jedoch aufgerufen,so wird er entweder lügen und sage er habe die HA nicht gemacht um die Angstsituation sofort aufzulösen oder er wird seine Antwort mit leiser Stimme und zittrigen Händen präsentieren und schweißgebaden die Sache überstehen. So war es meistens bei mir,dass man mich kaum hören konnte.

Beispiel 2: Husten und extreme soziale Angst

Bei einer extremen sozialen Angst wird die Person sogar es vermeiden zu Husten um nicht im Mittelpunkt zu stehen, darauf angesprochen, kritisiert und ausgelacht zu werden, wie es bei mir der Fall war. Man lässt den Schmerz am Hals zu und die Tränen in die Augen weil man die Angst nicht ertragen kann.

Beispiel 3: Angesprochen werden und soziale Angst

Das schlimmste für eine sozial-ängstliche Person ist es angesprochen zu werden. Ich nehme jetzt mal ein Beispiel aus der Schule. Es ist Pause und die sozial-ängstliche Person steht irgendwo im Pausenhof. Eine andere Person kommt auf ihn zu, in dem Moment setzen die ganzen emotionalen Symptome ein und er denkt sich hoffentlich kommt der nicht zu mir. Wenn diese Person bei ihm ist und in anspricht wünscht er sich am liebsten dass diese Person verschwindet damit er die Angst loswird. Außerdem ist er dann wie versteinert und kann einfach nicht weggehen, da das auffalen würde und die anderen merken würden, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Zusammengefasst, am schlimmsten wird es für einen extrem sozial-ängstlichen Menschen wenn er angesprochen wird, umso mehr Menschen auf ihn einreden um so schlimmer wird es , am liebsten würde er sich wegbiemen.

Beispiel 4: Klassenzimmertür öffnen und soziale Angst

Ein Grund warum ich selten zum Schulunterricht zu spät gekommen bin ist aus Angst davor die Klassenzimmertür bei voller Klasse zu öffnen. Hier hab ich einfach Angst im Mittelpunkt zu stehen und die Anfrage warum ich zu spät komme und wie alle auf mich starren sowie die Kritik des Lehrens fühlen sich unerträglich an. In solchen Fällen habe ich lieber die Schule verlassen und bin zur nächsten Stunde gekommen, statt verspätet die Tür zu öffnen un den Unterricht zu stören

Beispiel 5: emails lesen,Post öffnen,Telefonat entgegennehmen und soziale Angst

Das sind alles Sachen bei denen man eine Nachricht bekommt die auch persönlich sein kann oder mit jemand kommuniziert wird. Hier steht wieder die Angst vor Ablehnung und Kritik im Vordergrund in Verbindung mit der negativen Erwartungshaltung, z.B. Absage auf eine Bewerbung, Ablehnung eines Antrags,Andrehen eines Abos.Hier tue ich mich besonders schwer und will eigentlich die email/Brief nicht lesen und versuche dies zu vermeiden und das Telefon lasse ich einfach klingeln. Hier ist wieder Gut zu sehen wie die negativen Gedanken das Verhalten der sozial-ängstlichen Person steuern.

Erziehungsmethoden der Eltern und soziale Angst

Als nächstes möchte ich besprechen wie die Erziehungsmethoden und Verhaltensweisen meiner Eltern die Entwicklung meiner sozialen Angst begünstigt haben.Meine Eltern haben mich überbehütet erzogen, sie haben sich immer um alles gekümmert. Für sie bin ich noch ihr kleines Kind um das sie sich Sorgen machen. Ich habe den Eindruck dass sie so sehr auf mich fixiert sind und es immer waren , dass sie nicht ohne mich leben können, ja in gewisser Weiße hat sich da eine Abhänigkeit entwickelt. Das merke ich daran wenn ich mal weg bin und  telefonisch nicht erreichbar bin, dann heißt es wir haben uns um die Sorgen gemacht, dass dir nichts zugestossen ist und hätten dich vermisst gemeldet. Ich denke daß meine Eltern Angst hatten mich zu verlieren,nachdem sie den größeren Sohn bei den Großeltern gelassen haben.

Dadurch ist dann eine sehr enge ungesunde Beziehung zu mir entstanden, die dazu geführt hat das sich mich kontrollieren mussten um mich nicht zu verlieren, damit haben sie mich erst recht verloren und zerstört indem sie mich bei meiner persönlicher Entwicklung zu sehr eingeengt haben. Ich musste immer der brave, gehorsame Junge sein. Es musste alles immer so sein wie es die Eltern gewünscht haben. Die eigenen Wünsche und Vor- stellungen wurden ignoriert und abgelehnt falls sie nicht im Einklang mit den  Vorstellungen  meiner Eltern waren. Somit habe ich gelernt die Meinung meiner Eltern zu übernehmen und konnten keinen eigenen Willen entwickeln und war wie ein Gefangener ohne Freiheit. Das alles hat dazu geführt dass ich immer nachgegeben habe und auch in der Schule mich nicht durchgesetzt habe mit dem was ich wollte da ich der schwache war. Damit ich immer das getan habe was meine Eltern wollten, haben sie fiese Tricks benutzt. Wie z.B. wenn du mich liebst mach deine Hausaufgaben, da hab ich gedacht ich muss mir die Liebe verdienen und sie würden mich nicht lieben wenn ich die Hausaufgaben nicht mache.

Ich wurde immer mit anderen verglichen die z.B. in der Schule besser waren, damit man selbst den Ehrgeiz entwickeln zu lernen, aber dadurch hat man sich minderwertig gefühlt und konnte die Ansprüche der Eltern nicht erfüllen.Wenn ich etwas falsch gemacht habe wurde ich als Nichsnutzt abgestempelt und das wurde einem immer wieder betont, dass man etwas nicht kann und immer falsch macht.

Durch all diese Sachen die ich täglich erlebt hatte habe ich mich minderwertig,schwach und hilflos gefühlt. Durch die ganze Kontrolle und den aufgezwungenen Wille aus Angst for den Konsequenzen musste ich immer nachgeben und konnte kein gesundes Selbswertgefühl entwickeln außerdem war ich traurig da ich nicht verstehen konnte warum meine Eltern mich so sehr eingeschränkt haben.

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