2.8 Hauptstudium, Panik und PC-Spielsucht (2004-2005)

Hauptstudium

Nach dem ich das Vordiplom in der Tasche hatte, habe ich den Studienort gewechselt, da mich die Prüfungordnung für das Hauptstudium erschreckt hat. Außerdem wollte ich nich so weit von zu Hause weg sein und Ostdeutschland verlassen, man weiss ja nicht ob mir ein Nazi über den Weg gelaufen wäre. Der Nachteil des Studienortwechsels war dass ich keine Kontakte hatte, da sich unsere Gruppe aufgelöst hat und jeder wo anders seit Studium fortgesetzt hat. Dazu kam dass ich eine Wohnung alleine hatte ohne Mitbewohner und mich somit einsam gefühlt habe. Alleine in dieser Wohnung habe ich viel Zeit verbracht mich über mein Leben Gedanken zu machen. Ich habe die Dokumente herausgeholt die ich damals am PC-Pool ausgedruckt habe, als ich erkannt habe das ich an sozialer Angst leide.

In dieser Phase habe ich versucht nach Anworten zu suchen, warum mir so etwas passiert ? Warum meine Eltern nichts unternommen haben um mir zu helfen . Ich habe nach schuldigen gesucht wie z.B. das Kind aus der Vorschule, die Aufsichtsperson des Kindergartens die nicht anwesend war, den Jungen in der Schule der mich gemobbt hat, die Lehrer die nichts getan habe um mir zu helfen und meine Eltern die tatenlos zugeschaut haben wie sich meine Situation Tag für Tag verschlechtert hat und dachten ich wäre nur schüchtern und werde mich mit der zeit öffnen und das wird schon von selbst.

Ich konnte es nicht fassen dass mir niemand geholfen hat und niemand erkannt hat dass dieses Kind, dieser Jugendliche oder dieser Erwachsener zu diesem Zeitpunkt 17. Jahre ein psychisches Problem hat. Ich war einfach enttäuscht und traurig. Ich konnte einfach nicht glauben wie so etwas passieren konnte.Ich war extrem wütend auf meine Eltern und habe sie beschuldigt, dass sie grob fährlässig gehandelt haben und verantwortlich dafür sind. Sie hätten das bewußt gemacht damit sie mich immer unter Kontrolle haben und keine Probleme in der Pubertät und als Erwachsener mit mir haben und somit immer ihre Meinung bei mir durchsetzen können und ich hab fest daran geglaubt, dass das ihr Plan für mich war. Ich wollte mich an all diesen Menschen Rächen die mit ihren Verhalten zugelassen haben dass mir großes Leid wiederfahren ist. Ich wollte sie alle finden und dafür bestrafen, ihre Adressen finden und sie wie in Kill Bill niederstrecken, so sehr war mein Wut und mein Rachegedanken, dass ich sie umbringen wollte, schließlich haben sie mir das Leben weggenommen. Seit dem bin ich auf Vergeltung ausgerichtet und denke andauernd „ Ich mache sie alle fertig, ich bringe euch um“ und versuche stets diese Bösewichten im Alltag zu finden und denen zu zeigen,dass sie mit mir nicht spielen können und war schon auf Angriffsmodus eingestellt.

Panik

In dieser Wohnung hat meine nagativer Erwartungshaltung in Zusammenhang mit der Kontaktlosigkeit und Einsamkeit dazu geführt dass ich Panikattacken bekommen habe. Ich hatte keine Kontakte mehr am Studienort und so habe ich den ganzen Tag in der Wohnung verbracht. Meine Angst hat sich dadurch zur Panik entwickelt. An einem stürmischen Abend habe ich plötzlich Panik bekommen ich habe gedacht das gerade ein Einbrecher auf meinen Balkon gestiegen ist als ich Geräusche gehört habe. Ich hatte panische Angst und war sehr unruhig. Um mich zu beunruhigen bin ich aufgestanden und zum Balkon hingelaufen und habe mich gebeugt und geschaut ob ich Füße von einen Menschen sehe. Es war aber nichts zu sehen und ich habe mich hingelegt. Wenn ich wieder was gehört habe, bin ich aufgestanden und war still um zu hören ob doch jemand da ist. Ich konnte mich die ganze Nacht nicht beruhigen und müsste ständig daran denken was ich mache wenn jemand in die Wohnung einbricht.

Ein anderes Mal habe ich Geräusche vor der Haustür gehört. Ich dachte es wären Einbrecher, die gleich das Schloss knacken würden und in meine Wohnung rein kommen, dabei waren es wahrscheinlich die Nachbarn, die vor ihrer Haustür waren.Ich hatte panische Angst ,war unruhig und wusste nicht was ich machen soll.Ich bin zur Tür hingegangen und habe mein Ohr an die Tür angelegt um zu sehen ob ich Werkzeug an das Schloss hören kann .Ich konnte zwar nichts hören,aber ich war mir nicht sicher ob da jemand ist. Ich wollte die Tür aufmachen um mir Gewissheit zu verschaffen dass dort wirklich niemand ist.Jedoch habe ich mich nicht dazu getraut. Denn wenn ich die Tür aufgemacht hätte und jemand da wäre, dann wären sie in der Wohnung drin und wer weiß was sie mit mir gemacht hätten. So hab ich mich dann das ganze Wochenende nicht getraut die Wohnung zu verlassen und konnte mich garnicht beruhigen.

PC-Spielsucht

Zur selben Zeit habe ich mich immer wieder mit meinen psychischen Problemen auseinandergesetzt. Ich habe mich an die Vergangenheit erinnert und wie ich immer traurig über mein Leben war, geweint habe und wie mir das schlecht getan hat. Ich habe beschlossen, dass ich nicht mehr traurig und depressiv sein möchte, ich ziehe mich damit nur runter und das hilft mir nicht. Somit wollte ich mich gut fühlen und Freude spüren. Ich hab mir dann meinen ersten eigenen PC gekauft und habe angefangen in meiner Studienwohnung PC-Games zu spielen. Es hat sehr viel Spaß und Freude gemacht. So habe ich meine Einsamkeit vergessen und meine Depressionen nicht mehr wahrgenommen. Am Anfang habe ich meistens nur am Wochenende gespielt. Mit der Zeit haben sich meine Spielzeiten ausgedehnt,so daß ich auch unter der Woche länger gespielt habe und allmählich angefangen habe  Vorlesungen zu schwänzen bis es dazu gekommen ist dass ich die komplette Woche in der Wohnung war und am PC gespielt habe. Ich hatte am neuen Studienort keine Kontakte geknüpft und habe mir immer angeredet dass ich genug Zeit bis zu den Prüfungen habe um zu lernen und mir so mein Spielen gerechtfertigt. Als nur ein paar Wochen für die Prüfungen zur Verfügung standen habe ich mich dann von den Prüfungen abgemeldet, da es eh sinnlos wäre und mir eingeredet dass ich nächstes Semester dann so richtig loslege und das hat sich dann immer so wiederholt.

Umzug und Therapeutensuche

Eigentlich wollte  ich mich schon am Anfang meines Hauptstudiums um einen Therapieplatz bemühen aber ich hab mich nicht getraut anzurufen und war mir unsicher. Nach einem Jahr alleine in einer Wohnung habe ich mich entschlossen umzuziehen, da ich mich mit den Panikattacken und dem allein sein nicht wohl gefühlt habe. So bin ich im Jahre 2005 in ein Studentenwohnheim umgezogen und hatte dort 3 andere Mitbewohner. Ich habe dort mit den sprechen können, am Anfang habe ich mich schwer getan aber mit der Zeit wurde es besser. Die Panikattacken sind dann auch verschwunden und es ging mir wieder besser.Nun habe ich mich dazu durchdringen können, bei Therapeuten anzurufen um eine Verhaltenstherapie anzufangen.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s