2.14 Die Schachspielsucht

Bevor ich über die Schachspielsucht spreche, möchte ich euch erzählen wie es dazu gekommen ist dass ich mit dem Schachspielen angefangen habe. Als ich 2006 meine ambulante Therapie gemacht habe, sollte ich mir ein paar Aktivitäten überlegen bei denen ich mit Menschen in Kontakt kommen kann. In der Gesprächstunde habe ich dann spontan Schach gesagt, vielleicht weil mir eine körperliche Sportart wie Fußball oder Handball zu anstregend ist. Auf jedem Fall habe ich dann mit meiner Therapeutin ausgemacht dass ich einen Schachverein besuchen werde.

In meinem Heimatort war dann auch ein Schachverein den ich dann einfach mal besucht habe, die Adresse hatte ich aus dem Internet. Am Anfang war es locker ich habe als Erwachsener von starken Spielern die Grundlagen des Schachsspiels gelernt was nicht üblich ist. Es hat zu Beginn Spaß gemacht und war interessant. Irgendwann hab ich ein Lehrbuch in die Hand gedrückt bekommen und man hat mir gesagt dass ich beim Schach mein Können in Turnieren unter Beweis stellen kann und eine Wertungszahl bekommen kann. Ich habe die Wertungszahlen der starken Spieler gesehen und wollte auch da hinkommen. Dann bin ich dem Schachverein beigetreten und habe als Neuling mein erstes Turnier gespielt.

Langsam hat sich daraus eine Sucht entwickelt. Statt den Studienstoff zu pauken, habe ich mich ausschließlich mit den Schachlehrbüchern beschäftigt und habe das Jugendtraining besucht bei dem ich der  einzige zu trainierende war. Als ich dann erfahren habe dass es auch Titel im Schach gibt wollte ich diese alle erreichen. Ich habe mir einen Zeitplan erstellt, wann ich welche Wertungszahl erreichen wollte. Nach der Auswertung meines erstes Turniers habe ich gemerkt wie unrealistisch meine Zielvorgaben sind und ich mich dadurch stark unter Erfolgsdruck setze und das Spielen so keinen Spaß macht,sondern ich nur Stress habe. Ich habe eine Lern- und Spielsucht entwickelt bei der ich mehr gelernt als gespielt habe.Haben die meisten anderen Schachspieler hauptsächlich gespielt weil Schach spielen Spaß macht, habe ich Schach gespielt um zu gewinnen und somit den Gegner fertig zu machen- meine Rache/ Wut- Bedürfniss sollte zum tragen kommen. Außer dem Motiv auf Erfolg im Schach habe ich damit versucht das Bedürfniss des Respekts und der Anerkennung zu befriedigen. Da ich nicht erfolgreich war als Neuling mit dem Schachspielen ,ich mit meinem Schachspiel nicht weitergekommen bin ,es nur Niederlagen gehagelt hat und ich auch dazu ein schlechtes Gefühl hatte dass mir das Schachspielen nicht gut tut habe ich nach ca. 1 Jahr mich vom Schachverein abgemeldet und mit dem Schachspielen aufgehört.

2010 habe ich dann wieder mit dem Schach spielen angefangen. Was war der Grund dafür ? Ich wollte meine Onlinespiel-, Porno- und Onaniesucht die mich sehr gestört hat beenden bzw. stark einschränken. So ist es dann zum Suchttausch gekommen und ich habe meine Schachspielsucht wieder aktiviert und außerdem mein Esssucht mit Essattacken die ich im nächsten Kapitel besprechen werde. Als ich 2010 wieder beim alten Schachverein angefangen habe, habe ich nach ein paar Schachprogrammen gesucht die mich schachlich weiterbringen könnten. Ich hab da verschiedenes ausprobiert wie die Tasc CD 2, Chessimo und Peshka Training Courses. Damit habe ich mich schachlich weitergebildet und habe für mein Schachniveau nützliches gelernt. Dann habe ich das Wissen in der Praxis bei Turnieren angewandet und konnte mich somit verbesseren. Außerdem habe ich mit verschiedenen Büchern zur Eröffnung,Mittelspiel und Endspiel trainiert.

Im gleichen Jahr konnte ich überraschenderweise ein Turnier gewinnen. Es war ein schönes Gefühl der Anerkennung wenn so viele Schachspieler zu dir kommen und dich zum Turniersieg gratulieren .Der Empfang des Sieger- Pokals war auch ein besonderes Erlebnis. Das hat meine Motivation mich weiter mit Schach zu beschäftigen verstärkt so dass ich weiter trainiert habe.Während ich meine Spielstärke im Schach 2011 noch ordentlich verbessern konnte, war ich mit dem Ergebnis von 2012 weniger zufrieden, so dass ich mich nach einen Schachtrainer umgeschaut habe. Obwohl ich mir das Schachtraining nicht leisten konnte hat der zwanghafte Drang mich noch schneller zu verbessern dazu geführt dass ich ein paar Trainingsstunden genommen habe. Dabei habe ich gemerkt dass das mit ein paar Stunden wohl nicht zu reißen ist und dass für mich zu teuer wird so dass ich aufgehört habe Trainingsstunden zu nehmen. Im Jahr 2013 habe ich weiter nach einem Schachtrainer ausschaut gehalten. Ich habe dann einen preiswerten Trainer gefunden bei dem ich Trainingsstunden genommen habe.Jedoch war ich mit dem Training nicht zufrieden so dass ich später wieder das Training beendet habe.

Da sich meine Spielstärke immer noch verbesserte bin ich noch dabei geblieben mich weiterhin mit Schach zu beschäftigen,da keine Frustration eingetreten ist wie bei meinem ersten Anlauf. Jedoch denke ich oft dass ich mit dem Schach aufhören sollte, aber ich weiss nicht welche Konsequenzen das für meinen Suchtalltag hat. Werden dann die anderen Suchtformen reaktiviert die ich deaktiviert habe ? Hinzu kommt dass in meinen neuen Schachverein der Vorstandsvorsitzende eine merkwürdige Anspielung auf einen Film namens „ Die Schachspielerin“ gemacht hat und gefragt ob ich denn kenne bei der eine Frau vom Schachspiel fasziniert ist und an nichts anderes denken kann um Erfolg und Anerkannung zu erlangen und dabei ihre Ehre und ihr Leben riskiert  und sozusagen Schachspielsüchtig wird.

Für mich ist damit klar dass es wohl vermutet dass ich Schachspielsüchtig bin, somit sollte es mir dann leichter fallen offen darüber zu reden warum ich aus dem Verein austrete möchte und das Schach aufgeben möchte. Ich werde mich in der nächste Zeit damit beschäftigen und ich denke ich sollte das Schach aufgeben und mich um mein Leben und meine persönliche Probleme kümmern. Wenn ich mein Leben ändern möchte muss ich alles beseitigen was dem im Weg steht. Meine Vereinskollegen werden das schon verstehen.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s